Hüttentour für Genießer in den Allgäuer Alpen bei Oberstdorf (3 Tage)

Hüttentour drei Tage Allgäuer Hochalpen Oberstdorf

Sind es die langen Wandertage, die Sonnenuntergänge, die Spieleabende auf der Hütte, der Kaiserschmarrn, der fehlende Handyempfang oder die ruhigen Morgenstunden? Oder sind all diese Dinge zusammen die Magie einer Hüttentour? So oder so, wir haben bei unserer Hüttentour in den Allgäuer Alpen das komplette Programm bekommen. Und noch mehr, weil ich zum ersten Mal Steinböcke gesehen habe! Es war eine wunderschöne. Dies ist eine Hüttenwanderung für Genießer.

Telefon aus, Bergmodus ein

„Telefon ausgeschaltet?“ Mein Wanderfreund nickt zustimmend. Auf diesen Moment haben wir uns fast genau so sehr gefreut wie auf die Hüttenwanderung selbst. Auf den Hütten gibt es sowieso keinen Empfang und wir möchten auch den Rest unserer dreitägigen Wanderung im Allgäu ohne Telefon verbringen. Nur die Berge und wir. Auf dem Parkplatz an der Fellhornbahn in Oberstdorf kontrollieren wir, ob alles richtig verpackt ist und dann geht’s los. Die ersten Kilometer der ersten Etappe sind relativ flach. Wir wandern durch das Tal der Stillach und später des Rappenalpbachs, wo wir uns den Weg mit Radfahrern teilen. Es ist eine gute Strecke zum Einwandern.

Ab der Schwarzen Hütte wird es eine richtige Bergtour. Die Mindelheimer Hütte liegt auf über 2000 Metern und wir sind gerade erst auf 1200 Metern. Die letzten Kilometer der Wanderung sind daher recht steil, einige Abschnitte haben sogar eine Steigung von 30%. Aber es ist großartig. Wir haben einen immer besseren Blick auf das Tal, durch das sich der funkelnde Fluss schlängelt. Und auf die Berge auf der anderen Talseite: den Rappenseekopf, die Rotgundspitze, den Fürschießer und viele andere beeindruckende Gipfel der Allgäuer Hochalpen. Es ist noch früh im Jahr, und das Schmelzwasser kommt wie elegante Wasserfälle herunter. Es gibt mindestens sieben Stück, die manchmal auf halber Höhe des Berges zusammenfließen und als größerer Wasserfall weitergehen. Als wir noch etwa eine Stunde Wanderzeit vor uns haben, setzen wir uns auf ein paar Felsen. Die Aussicht ist einfach zu schön, um sie nur beim Gehen zu bewundern. Wir sind still. „Hey, schau mal da drüben“, flüstere ich meinem Wanderfreund zu und unterbreche damit das Schweigen. Aus gutem Grund: In weniger als zehn Metern Entfernung ist ein Murmeltier zu sehen.

Bratkartoffeln & Hüttenruhe: die Magie einer Hütte

Als uns eine Gruppe von Wanderern überholt, schaue ich zum ersten Mal auf die Uhr. Oh je, wir sind schon länger hier, als ich dachte. Und wenn wir in der Hütte etwas zu essen bekommen wollen, müssten wir mal weitergehen. Zum Glück ist man in der Mindelheimer Hütte recht flexibel und eine Stunde später sitzen wir mit einem großen Teller Bratkartoffeln zwischen den anderen Wanderern. Ich liebe die Atmosphäre in einer Berghütte. Jeder spricht mit jedem, mischt sich einfach ein, spielt ein Spiel und erzählt von seinen Wanderplänen. Wir spielen Jenga mit einem Bruder und einer Schwester, die niederländische Verwandte haben. Zwischen den Spielen gehe ich noch kurz raus, um zu sehen, wie sich der Nebel bei Sonnenuntergang violett-rot färbt. Nach dem letzten Jenga-Spiel ist der Gemeinschaftsraum plötzlich leer. Ups. Ab 22 Uhr herrscht Hüttenruhe und wir haben noch etwa drei Minuten, um ins Bett zu kommen. Ich putze mir ganz schnell die Zähne, ziehe meinen Schlafanzug an, versuche, so leise wie möglich meinen Hüttenschlafsack aus dem Rucksack zu holen, und krabbele in das obere Stockbett. Es ist stockdunkel und ich kann das leise Atmen unserer schlafenden Zimmergenossen hören. Wo ist nun doch meine Taschenlampe? Na ja, egal, Zeit zum Schlafen. „Gute Nacht“, flüstern wir uns zu.

Über den Krumbacher Höhenweg zur Fiderepasshütte

Noch vor dem Frühstück gehe ich nach draußen. Ich liebe den frühen Morgen in den Bergen: Die Morgen sonne strahlt die Berggipfel an, die Natur ist mit Tautropfen bedeckt und alle Geräusche sind gedämpft. Nun, fast alle Geräusche. Ich höre das Geklapper von Kaffeetassen auf einem Tablett und Gelächter aus der Mindelheimer Hütte. Zeit für’s Frühstück.

Nach einem großen Teller Müsli und einer Tasse Kaffee machen wir uns auf den Weg. „Sollen wir zuerst den Kemptener Kopf hinaufgehen?“ Mein Wanderfreund hat auch Lust drauf. Von hier aus können wir bereits das glitzernde Gipfelkreuz sehen und es ist nur noch ein kleiner extra Aufstieg, bevor wir die Wanderung zur nächsten Hütte beginnen. Und es lohnt sich. Vom Kemptener Kopf aus kann man auch auf die andere Seite schauen: das Kleinwalsertal. Geübte können hier den Mindelheimer Klettersteig beginnen, wir aber kehren zur Hütte zurück und wählen die Wandervariante für unsere Hüttentour in den Allgäuer Alpen: den Krumbacher Höhenweg.

„Blühende“ Wege und Altschneefelder

Der Krumbacher Höhenweg verbindet die Mindelheimer Hütte und die Fiderepasshütte und ist als eine der einfachsten, aber schönen Hüttenverbindungen bekannt. Und schön ist sie wirklich. Die schmalen Wanderwege sind links und rechts von Blumen gesäumt. Wir befinden uns oberhalb der Baumgrenze, so dass sich das Alpenpanorama vollständig vor und neben uns ausbreitet. Die heutige Strecke hat nur 7,5 Kilometer und 400 Höhenmeter, wir haben also viel Zeit. Viel Zeit auch, um einfach nur eine Stunde in der Sonne zu liegen, die Berge zu bestaunen und dem Plätschern eines Baches zu lauschen. Das tun wir, bevor wir den steilen Aufstieg zur Fiderescharte in Angriff nehmen. Hier wird der Weg deutlich felsiger und steiler, bis man schließlich bei der Fiderescharte auf die andere Seite „hinübergeht“. Wir können die Hütte fast hundert Meter unter uns sehen. Und noch etwas: Altschneefelder. Es ist noch früh in der Wandersaison, und solche Schneefelder sind an den Nordhängen keine Seltenheit. Wir überqueren sie vorsichtig. Erleichtert, das hinter uns zu haben, fliege ich das letzte Stück hinunter.

Sonnenuntergang mit Steinbock

Es ist noch früh, also machen wir vor dem Abendessen noch einen Spaziergang in der Nähe der Hütte. Wir fragen den Hüttenwirt Hubert, ob wir die Oberstdorfer Hammerspitze besteigen können: ein beeindruckender Berggipfel, den man von der Hütte aus gut sehen kann. „Möchtet ihr die offizielle oder die inoffizielle Antwort?“, fragt er mit einem vielsagenden Lächeln. Das reicht uns als Antwort und wir machen auf halber Stracke zum Gipfel Schluss. Von hier aus hat man eh schon einen herrlichen Blick auf die Allgäuer Alpen und das Kleinwalsertal. Wir gehen wieder hinunter und setzen uns auf die Terrasse der Hütte – die übrigens in Österreich liegt. Die Knödel reichen unseren hungrigen Wanderkörper nicht und wir teilen uns noch einen Germknödel mit Vanillesoße. Mmm! Dann ist es – wie auch sonst – Zeit für das erste Spiel des Abends.

Wenn die Sonne untergeht, kann ich nicht widerstehen, für einen Moment rauszugehen. Und wie sehr ich mich freue, dass ich das getan habe. Es war nicht nur einer der schönsten Sonnenuntergänge, die ich je gesehen habe, sondern es lief auch ein Steinbock vorbei. Ich konnte es kaum glauben Es war das erste Mal, dass ich einen gesehen habe, und so nah! Völlig begeistert krabble ich später in meinen Hüttenschlafsack: Was für ein Tag.

Der Genießerweg zurück ins Tal

Beim Frühstück am nächsten Morgen schauen wir uns zunächst eine Karte an. Wir haben keinen Plan für heute. Natürlich sollten wir an der Talstation der Fellhornbahn in Oberstdorf enden, aber wie wir dorthin kommen… Wir haben ein paar Routenoptionen im Kopf und wandern dann einfach los. Bei einer kleinen, nicht bewirtschafteten Hütte kommt die erste Abzweigungsmöglichkeit. „Nehmen wir die Route mit den meisten Hütten?“ Ich lache und nicke. Es ist schließlich Wochenende und der letzte Tag unserer dreitägigen Hüttentour in den Allgäuer Alpen – also nutzen wir ihn noch mal so richtig aus.

Und so wandern wir unterhalb der Kanzelwand entland zur Oberen Bierenwangalpe. Mal über schmale, felsige Pfade mit Aussicht, mal durch dichtes Gebüsch. Abgesehen von einem kleinen Abschnitt mit Drahtseilen ist der Weg leicht zu begehen, so dass man viel Zeit hat, die weiten Ausblicke zu genießen. Nach einer guten Stunde erreichen wir die Obere Bierenwangalpe, wo wir uns ein kaltes Getränk gönnen. Wir unterhalten uns mit dem älteren Ehepaar, das neben uns sitzt. Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne in den Bergen wandere: Es gibt so viel zu sehen und kaum Handyempfang, und plötzlich fangen alle an, miteinander zu reden. Auch interessant: Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist. Am Stand der Sonne erkenne ich, dass es früher Nachmittag ist, und am Knurren in meinem Magen merke ich, dass es langsam Zeit zum Essen wird. Somit folgt der allerletzte Teil unserer Hüttentour in den Allgäuer Alpen: der Abstieg nach Oberstdorf.

Nach einem Stück auf einem breiten Schotterweg führt der letzte Teil unserer Route über kleine Waldwege, bis wir wieder die Talstation der Fellhornbahn erreichen. „Noch einen Kaiserschmarrn zum Abgewöhnen?“ Selbstverständlich brauche ich das nicht zweimal zu fragen.

Etappen der dreitägigen Hüttentour in den Allgäuer Alpen

Tag 1: Talstation Fellhornbahn Oberstdorf zur Mindelheimer Hütte

  • Länge: 13,8 km
  • Höhenmebter: 1060 m bergauf und 10 m bergab
  • Schwierigkeitsgrad: Mittel (schwer ist der Aufstieg auf einigen wenigen Kilometern)
  • Übernachtung: Mindelheimer Hütte
  • Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: ja, von Oberstdorf fährt die Buslinie 7 zur Fellhornbahn.
Huttentocht Allgäuer Hochalpen Duitsland etappe 1

Das Auto mal stehen lassen, Parkkosten sparen und die Umwelt schonen? Diese Hüttentour kannst du gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machen. Du fährst zuerst mit der Bahn nach Oberstdorf und danach mit Buslinie 7 zur Fehllhornbahn. Mit der Reiseauskunft zum Bestpreis* findest du die günstigsten Tickets. Reist du innerhalb Bayerns? Dann kannst du dafür gut das Bayern-Ticket* nutzen, vor allem wenn du mit mehreren Personen reist.

Tag 2: Mindelheimer Hütte zur Fiderepasshütte

  • Länge: 7,25 km
  • Höhenmebter: 400 m bergauf und 360 bergab
  • Schwierigkeit: mittel (nur steiler Aufstieg zur Fiderescharte und Abstieg über loses Gestein zur Hütte, eventuell mit Altschneefeldern)
  • Übernachtung: Fiderepasshütte
Huttentocht Allgäuer Hochalpen Duitsland etappe 2

Tag 3: Fiderepasshüttezur Talstation Fellhornbahn

  • Länge: 11,6 km
  • Höhenmeter: 90 m bergauf und 1210 bergab
  • Schwierigkeit: Mittel (eventuell mit Restschneefeldern im Hochgebirge)

Huttentocht Allgäuer Hochalpen Duitsland etappe 3

Tipp: Möchtest du wissen, welche Wege begehbar sind und wo vielleicht noch Schnee liegt? Bei der Alpininfo von Oberstdorf erhält man aktuelle Informationen über den Zustand der Wanderwege.

[*Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Wenn du etwas über diese Links buchst oder kaufst, dann erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis dadurch natürlich nicht. Danke!]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert