Winterwanderung auf den Breitenberg (Pfronten im Allgäu)

Breitenberg winterwandern Pfronten im Allgäu

Noch halb verschlafen, ziehe ich die Vorhänge auf. Ich reibe mir die Augen. Und bin plötzlich hellwach. Die Schneefallgrenze ist über Nacht ein ganzes Stück nach unten gerutscht! Schnell packe ich meinen Rucksack, krame meine Wintersachen aus dem Schrank und ziehe meine Wanderschuhe an. Ich schwinge mich aufs Rad und fahre rasch zur Talstation der Gondelbahn in Pfronten. Dort beginne ich meine Winterwanderung zum Gipfel vom Breitenberg.

Achtung: Das Wandern im Schnee kann viel anstrengender sein als im Sommer. Der Weg, den ich gegangen bin, ist kein präparierter Winterwanderweg. Es kann schwierig sein, den Weg zu finden, und manchmal kann man tief im Schnee versinken. Dies ist bei der Ausrüstung zu berücksichtigen. Je nach Route und Schneemenge können z.B. Schneeschuhe, Grödel und ein LVS-Set erforderlich. Ganz unten im Beitrag gibt es Tipps für (präparierte) Routen. Außerdem ist es sehr wichtig, auf dem Pfad zu bleiben. Wenn Tiere im Winter erschrecken und fliehen, kann das tödlich sein; sie brauchen ihre ganze Energie, um im Winter zu überleben.

Aufwärts durch die Reichenbachklamm

Auf den ersten Kilometern gibt es noch keinen Schnee. Gar nicht schlimm, denn auch ohne Schnee ist der Weg durch die Reichenbachklamm wunderschön. Während der Weg am Anfang der Schlucht noch recht breit ist, wird er bald schmaler und steiler. Da das meiste Laub inzwischen von den Bäumen gefallen ist, kann man vom Weg aus gut in die Tiefe blicken. Ein paar Meter weiter unten fließt und gurgelt das Wasser des Reichenbachs. Manchmal stürzt er wie ein Wasserfall über große Felsen herab. Das grüne Moos leuchtet und steht in starkem Kontrast zum grauen Fels und den braunen Blättern. Außer dem Wasser höre ich nichts: Ich habe den Wanderweg für mich allein. Über eine rutschige Holztreppe steige ich ein Stück hinab und stehe am Fuße eines kleinen Wasserfalls. Wenig später bildet ein viel höherer, eleganter Wasserfall den krönenden Abschluss der Reichenbachklamm.

Stille, Spuren und Schneeglück

Wenig später erreiche ich die Schneegrenze. Ab etwa 1350 Metern Höhe kann ich den Schnee unter meinen Füßen knirschen spüren. Plötzlich öffnet sich der Wald und ich habe freie Sicht auf den beeindruckenden Aggenstein. Dieser Berg ist schon immer imposant, und mit dem Schnee ist er es noch mehr. Der Aggenstein ist für mich ohnehin etwas Besonderes: Die Wanderung dorthin war die erste Bergtour, die ich alleine gemacht habe. Heute werde ich es bei der Aussicht auf diesen Berg belassen und meine Winterwanderung zum Breitenberg fortsetzen.

Kurz nachdem ich den kleinen Schlepplift im Wald passiert habe, komme ich in eine kleine Kessel. Es ist ein idyllischer Ort, umgeben von Bäumen und mit Blick auf die Berghänge des Böser Tritt und des Brentenjochs. Ab hier liegt viel mehr Schnee und es wird schwierig, den Wanderweg zu erkennen. Ich sehe keine Schritte: Ich bin der erste, der durch den frischen Schnee geht. Was ich sehe: Spuren von Gämsen. Überall bilden die Abdrücke ihrer Hufe kleine „Pfade“ im Schnee. Ich halte einen Moment inne. Es ist völlig still. Es ist, als würde man eine schwarz-weiße Landschaft betrachten, in der die Felsen und Sträucher mit einer dicken weißen Schicht überzogen sind. Und plötzlich rennt etwas durch die verschneite Landschaft. Es ist eine Gämse! Graziös bahnt sich das Tier seinen Weg durch den frischen Pulverschnee. Und bevor ich es weiß, ist es verschwunden. Wow, kann mein Winterglück noch größer werden?

Knietief im Schnee versunken

Ja, das kann es. Die Winterwanderung zum Breitenberg wird von Kilometer zu Kilometer märchenhafter. Bei einer kleinen Hütte biege ich rechts ab zur Bergstation der Hochalpbahn. Links thront der Aggenstein über mir, rechts habe ich einen Blick auf das Voralpenland. Und dann folgt eine Strekce wo ich mich durch den Schnee kämpfen muss. Der Wind hat den Schnee zu Haufen verweht, so dass ich bis zu den Knien im Schnee versinke. Ich kenne diese Route gut, sonst würde ich den Weg kaum erkennen.

Zum Glück sehe ich in der Ferne bereits ein Schild vom Juwelenweg (eine kurze Wanderroute über Mythen und Legenden rund um den Aggenstein). Im Schneckentempo komme ich voran. Der Pfad des Juwelenwegs ist wieder besser zu erkennen, aber der Wind hat den Schnee hier teilweise hoch angehäuft. Wusch. Plötzlich stehe ich bis zu den Hüften im Schnee. Ich lache über die Situation: Ich bin zwar auf einem der beliebtesten Berge im Allgäu, habe aber das Gefühl, auf einer Art Nordpol-Expedition zu sein. Die Wintersportsaison hat noch nicht offiziell begonnen, die Winterwanderwege und -pisten sind noch nicht präpariert, die Gondel ist wegen Revisionsarbeiten geschlossen, und anscheinend bin ich der Einzige, der heute unbedingt auf den Berg wandern wollte. Ein besonderes Erlebnis.

Schöne letzte Kilometer zum Breitenberg und zur Ostlerhütte

Ab der Bergstation der Hochalpbahn wird es wieder weniger schweißtreibend, mehr genussvoll. Vor mir haben Wanderer den Weg schon ein wenig gespurt, ohne die Winteridylle zu stören. Zwischen den schneebedeckten Bäumen habe ich einen schönen Blick auf den majestätischen Aggenstein und das winterliche Tannheimer Tal. Nach einer halben Stunde erreiche ich den Gipfel des Breitenbergs (1838 m). Ich stehe am Gipfelkreuz und lasse den Blick über das Panorama gleiten: das hügelige, grüne Alpenvorland, Füssen und Schloss Neuschwanstein, die schneebedeckten Ammergauer Alpen, der Bergrücken mit Roßberg und Brentenjoch, der wolkenverhangene Aggenstein und zu seiner Rechten das Tannheimer Tal mit den Allgäuer Alpen dahinter. Unglaublich schön. Der Wind treibt die Wolken schnell aus dem Tal über den Aggenstein in Richtung Füssen. Manchmal schimmert das Kreuz auf dem Aggenstein kurz in der Sonne, dann verschwindet der Berggipfel wieder in der dicken weißen Masse. Auf der sonnigen Terrasse der Ostlerhütte – die leider bis Ende Dezember Betriebsferien hat – trinke ich meinen heißen Tee. Zwei weitere Paare sitzen ebenfalls dort. Alle sind ganz leise und genießen diesen ersten Tag im Allgäuer Winterwunderland.

Abstieg über die breite Forststraße nach Pfronten-Steinach

Von der Ostlerhütte zur Hochalpbahn gehe ich den gleichen Weg zurück. Dort wähle ich den Weg entlang der Piste zur Bergstation der Breitenbergbahn. Mit dem Alpenvorland in Sicht beginne ich den Abstieg. Zunächst auf einem kleinen Waldweg, dann auf der breiten Forststraße. Gut, diese Route ist vielleicht nicht ganz so idyllisch, aber mein Körper, der das Winterwandern noch gar nicht gewohnt ist, ist mit diesem etwas leichteren Abstieg zufrieden. Nach gut 1,5 Stunden bin ich wieder im Tal, an der Station der Breitenbergbahn. Bevor ich mich wieder aufs Rad setze, drehe ich noch einmal um in Richtung Breitenberg. Von hier aus kann man es sich kaum vorstellen, aber ich weiß, was für ein märchenhaftes Winterwunderland das dort oben ist!

Winterwanderung von Pfronten zum Breitenberg

Diese Wanderungen sind im Winter von Tal bis zum Breitenberg und zur Ostlerhütte möglich:

  • Vom Engtal (ehemaliges Zollhaus) zum Breitenberg: 6,5 km/795 hm. Dies ist auch die Naturrodelbahn und wird daher während der Wintersportsaison präpariert.
  • Von der Talstation der Breitenbergbahn in Pfronten-Steinach über die Forststraße unter der Breitenbergbahn: 7,4 km/950 hm. Es handelt sich nicht um eine präparierte Strecke. Im Winter kann diese Route schwierig sein.
  • Von der Talstation der Breitenbergbahn in Pfronten-Steinach über die Reichenbachklamm und alpinen Wanderwegen: 6,8 km/950 hm. Es handelt sich nicht um eine präparierte Strecke. Im Winter kann diese Route schwierig sein. In der Reichenbachklamm sind einige Abschnitte mit Stahldraht gesichert.
  • Alternativ kann man mit der Gondel von Pfronten-Steinach zur Bergstation fahren und von dort auf dem präparierten Winterwanderweg zur Ostlerhütte wandern: weniger als ein Kilometer/156hm. Dieser Winterwanderroute wird nur während der Wintersportsaison geräumt.

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